Vorkalkulation VK
Auch Angebotskalkulation genannt. Ist die Ermittlung der voraussichtlichen Kosten eines Bauvorhabens vor der Ausführung. Sie bildet die rechtliche und wirtschaftliche Basis für das Angebot an den Kunden und entscheidet darüber, ob ein Auftrag später Gewinn bringt oder Verluste einfährt.
1. Die drei Kernziele der Vorkalkulation
Preisermittlung: Feststellung des Angebotspreises, der alle Kosten deckt und den gewünschten Gewinn sichert.
Wettbewerbsfähigkeit: Finden eines Preises, der hoch genug für die Wirtschaftlichkeit des Betriebs, aber niedrig genug ist, um den Zuschlag gegenüber Konkurrenten zu erhalten.
Soll-Vorgabe für die Baustelle: Die Vorkalkulation liefert die Zielvorgaben für den Bauleiter und die Vorarbeiter (z. B. „Für das Pflastern stehen uns laut Kalkulation maximal 40 Stunden zur Verfügung“).
2. Der Ablauf einer professionellen Vorkalkulation
Die Berechnung baut sich im GaLaBau schrittweise von unten nach oben auf (Bottom-Up-Prinzip):Massen- und Leistungsermittlung: Prüfung des Leistungsverzeichnisses (LV) oder Aufmaß vor Ort. Wie viel Material wird benötigt? Wie sind die Bodenverhältnisse?Ermittlung der Einzelkosten (Akkord- oder Zeitansatz): Wie viele Stunden (Lohn), welche Baustoffe (Material) und welche Geräte (Maschinen) werden direkt für die jeweilige Position benötigt?Aufschlag der Baustellengemeinkosten (BGK): Kosten für Anfahrt, Bauzaun, Container, Absperrungen.Aufschlag der Allgemeinen Geschäftskosten (AGK): Anteilige Kosten für Büro, Verwaltung und Hof.Aufschlag für Wagnis und Gewinn (W+G): Der Risiko- und Ertragspuffer.Endergebnis: Der Netto-Angebotspreis (plus Mehrwertsteuer für den Endkunden).3. Die größten Fallstricke in der PraxisFalsche Zeitansätze: Der häufigste Fehler im GaLaBau. Landschaftsgärtner verschätzen sich oft bei der benötigten Arbeitszeit (z. B. durch schwierige Zugänglichkeit des Gartens, manuelle Transporte mit der Schubkarre statt mit dem Hoflader).Unvollständige Baustellenbesichtigung: Wer das Grundstück vor der Kalkulation nicht besichtigt, übersieht oft Hindernisse wie versteckte Fundamente im Boden, Hanglagen oder fehlende Parkmöglichkeiten für Lkw.Vergessene Verschnitt- und Schwundmengen: Bei Schüttgütern (Mutterboden, Schotter) muss ein Verdichtungsfaktor (oft 15–30 % Mehrbedarf) einkalkuliert werden. Auch bei Pflastersteinen und Holz muss Verschnitt mit eingerechnet werden.Kopieren alter Preise: Das ungeprüfte Übernehmen von Preisen aus dem Vorjahr ignoriert aktuelle Preissteigerungen bei Lieferanten (z. B. bei Pflanzen oder Diesel) und führt zu Verlusten.4. Bedeutung für das spätere ProjektcontrollingDie Vorkalkulation ist wertlos, wenn sie nach der Auftragsvergabe in der Schublade verschwindet. Sie ist der direkte Maßstab für die Nachkalkulation. Nur wenn die tatsächlich verbrauchten Stunden und Materialien nach Abschluss des Gartens mit den Werten der Vorkalkulation verglichen werden, lernt der Betrieb aus Fehlern und kalkuliert das nächste Angebot präziser.