Landschaftsgärtner
 

intensive Dachbegrünung

Diese Form der Dachbegrünung entspricht planerisch sowie bautechnisch fast vollständig dem bodengebundenen Garten – allerdings mit extrem verschärften Anforderungen an Statik, Entwässerung und Bautechnik.


Der technische Schichtenaufbau (von oben nach unten):


Da intensive Gründächer tief wurzelnde Pflanzen und oft auch Wege- oder Terrassenbeläge tragen, ist der Schichtenaufbau deutlich mächtiger und stabiler:

1. Vegetationsschicht / Oberbau:

  • Bestand: Rasenflächen, Stauden, Sträucher, Großgehölze und Bäume. Auch bauliche Elemente wie Pflasterwege, Terrassendecks oder Teiche sind hier integriert.

2. Substratschicht (Intensivsubstrat):

  • Dicke: ab 15–20 cm (für Rasen/Stauden), 30–40 cm (für Sträucher) bis zu 60–100+ cm (für Bäume).
  • Material: Spezielles Intensiv-Substrat mit höherem organischen Anteil (Kompost/Humus) für die Nährstoffversorgung, kombiniert mit Strukturstoffen (Lava, Blähton) gegen Verdichtung. Wegen der großen Schichthöhe wird oft einschichtig oder mehrschichtig mit Unter- und Obersubstrat gearbeitet.

3. Filtervlies:

  • Funktion: Trennt Substrat und Drainage. Verhindert das Einschwemmen von Feinteilen.
  • Eigenschaft: Extrem robust (mind. GRK 3 oder GRK 4), da beim Einbau hohe mechanische Lasten (z. B. durch Minibagger oder Schubkarren) wirken.

4. Drän- und Speicherschicht (Großraum-Drainage):

  • Funktion: Muss enorme Wassermengen ableiten und gleichzeitig als permanenter Wasserspeicher dienen.
  • Material: Hohe Noppenelemente (z. B. 40 bis 60 mm), die oft zusätzlich mit mineralischen Dränstoffen (Blähton/Schotter) verfüllt werden, oder kombinierte Retentionsboxen.

5. Schutzlage (Schutz- und Speichermatte):

  • Funktion: Absoluter Schutz der Dachabdichtung vor schweren mechanischen Einwirkungen (z. B. beim Verteilen des Substrats).
  • Material: Dicke Schutzvliese (mind. 500–1000 g/m²) oder spezielle Gummischrotmatten.

6. FLL-Wurzelschutzfolie:

  • Wichtig: Bei intensiver Begrünung ist eine wurzel- und rhizomfeste Barriere (besonders gegen aggressive Wurzeln von Gehölzen oder Bambus) absolut überlebenswichtig für das Gebäude.


Technische und bauliche Kernfakten

  • Gewicht & Statik: Die Lasten sind massiv und liegen wassergesättigt bei mindestens 300 kg/m² bis über 1000 kg/m². Große Bäume oder punktuelle Lasten (z. B. Pflanzkübel) müssen statisch exakt über den tragenden Stützen oder Wänden des Gebäudes platziert werden.
  • Dachneigung: In der Regel auf Flachdächern von 0° bis max. 5°. Bei 0° (kein Gefälle) muss das Dränsystem so dimensioniert sein, dass langanhaltendes Stauwasser im Wurzelbereich vermieden wird (Gefahr von Wurzelfäule).
  • Automatische Bewässerung: Ein intensives Gründach kann in den Sommermonaten nicht allein durch Regen überleben. Die Installation einer automatischen Bewässerungsanlage (Tröpfchenbewässerung unter dem Substrat oder Rasensprenger) gehört fest in die Planung und Kalkulation.
  • Verankerung und Windsogsicherung: Bäume und Großsträucher bieten dem Wind eine enorme Angriffsfläche. Da sie im Substrat nicht tief genug wurzeln können, müssen sie zwingend mechanisch gesichert werden (z. B. durch Unterflur-Baumverankerungen, die an Baustahlmatten auf der Dränschicht befestigt werden).


Vegetation und Pflegeintensität

  • Pflanzenauswahl: Nahezu unbegrenzt, solange die Substrathöhe zur Wurzelform passt. Beliebt sind trockenheitsverträgliche Stauden, robuste Ziergräser sowie Gehölze wie Kiefern, Felsenbirnen oder Hainbuchen.
  • Dauerhafte Pflege: Ein Dachgarten benötigt dieselbe Pflege wie ein normaler Premium-Garten: regelmäßiges Mähen, Unkraut jäten, Düngen, Formschnitte bei Gehölzen und die Einwinterung der Bewässerungsanlage. Hier lassen sich hervorragend Dauerpflegeverträge mit dem Kunden abschließen.

Arbeitssicherheit & Logistik

  • Absturzsicherung im Betrieb: Da der Dachgarten intensiv genutzt wird, reicht PSAgA (Anseilen) für die späteren Nutzer nicht aus. Das Dach muss über eine umlaufende, dauerhafte Brüstung oder ein Geländer (Pflichtöhe meist mind. 1,00 bis 1,10 m) komplett gesichert sein.
  • Baustellenlogistik: Das Einbringen von hunderten Tonnen Substrat und großen Pflanzen erfordert den Einsatz von Autokranen, Bauaufzügen oder Silo-LKW (Pumpsystemen). Die Logistikkosten und Absperrungen im Straßenraum machen oft einen erheblichen Teil des Angebots aus.