Landschaftsgärtner
 

extensive Dachbegrünung

Die extensive Dachbegrünung ist die am häufigste Variante. 


Der regelkonforme Schichtenaufbau (von oben nach unten)
Ein extensives Gründach wird standardmäßig im Mehrschichtaufbau nach den FLL-Dachbegrünungsrichtlinien ausgeführt. 

Jede Schicht hat eine exakte Funktion:


1. Vegetationsschicht (Pflanzen):

  • Bestand: Sedum-Sprossen, Flachballenpflanzen oder fertige Vegetationsmatten (Sedum, Kräuter, Gräser).

2. Substratschicht (Wurzelraum):

  • Dicke: ca. 6 bis 12 cm.•
  • Material: Spezielles Extensiv-Substrat (hoher mineralischer Anteil wie Lava, Bims, Blähton; geringer organischer Anteil < 4 % zur Vermeidung von Verschlämmung). Niemals normale Muttererde verwenden!

3. Filtervlies:

  • Funktion: Verhindert, dass Feinteile aus dem Substrat in die Dränschicht geschwemmt werden.
  • Eigenschaft: Wasserdurchlässig, wurzelpenetrierbar, mechanisch belastbar (mind. Geotextilrobustheitsklasse GRK 2).

4. Drän- und Speicherschicht (Drainage):

  • Funktion: Leitet Überschusswasser sicher ab und speichert gleichzeitig Wasser in Mulden für Trockenzeiten.
  • Material: Noppenbahnen aus Kunststoff (z. B. 20–40 mm), Blähton oder Dränmatten.

5. Schutzlage (Schutzmatte):

  • Funktion: Schützt die darunterliegende Dachabdichtung vor mechanischer Beschädigung während der Bauphase.
  • Material: Spezielles Speichervlies (Verrottungsfeste Synthetikfasern, ca. 300–500 g/m²).

6. Wurzelschutzfolie (falls die Dachabdichtung nicht wurzelfest ist):

  • Wichtig: Muss das Prädikat „wurzelfest nach FLL“ aufweisen. Sie verhindert, dass Pflanzenwurzeln die Bauwerksabdichtung beschädigen.



Technische und bauliche Kernfakten

  • Gewicht & Statik: Das wassergesättigte Gewicht liegt je nach Schichthöhe bei ca. 50 bis 170 kg/m². Vor Baubeginn muss immer die schriftliche Freigabe eines Statikers vorliegen.
  • Dachneigung: Optimal sind 1° bis 5°.
  • Unter 2° (Mindestgefälle): Gefahr von stehendem Wasser, hier ist eine leistungsstärkere Drainage nötig.
  • Ab 10° bis 30°: Es müssen zwingend Schubsicherungen (z. B. Schwellen, Rastelemente) eingebaut werden, damit das Substrat nicht abrutscht.
  • Kiesstreifen (Wartungs- und Schutzstreifen): An allen Dachrändern, Lichtkuppeln, Dachausstiegen und Fassadenanschlüssen ist ein mindestens 30 bis 50 cm breiter Streifen aus Grobkies (Körnung 16/32) anzulegen. Dies dient dem Brandschutz (Funkenflug) und hält Entwässerungsrinnen frei von Wurzeln.
  • Windsogsicherung: In exponierten Lagen oder an Gebäudeecken können lose Substrate durch Wind abgetragen werden. Hier empfiehlt sich der Einsatz von vorkultivierten Sedummatten statt Sprossenansaat.

Vegetation und Fertigstellungspflege

  • Pflanzenauswahl: Sedum-Arten (Sedum album, Sedum acre, Sedum spurium) sind Pflicht, da sie Wasser in den Blättern speichern (Sukkulenten). Ergänzt wird oft mit trockenheitsresistenten Kräutern (Thymian, Nelken).
  • Fertigstellungspflege (GaLaBau-Pflicht): Die Pflege nach dem Einbau gehört zum Gewerk. Sie dauert bis zur Abnahme (ca. 12–15 Monate) oder bis zu einem flächendeckenden Anwuchs (mind. 60 % Deckung).
  • Aufgaben: Regelmäßiges Wässern in den ersten Wochen, Entfernen von unerwünschtem Wildkraut (z. B. Fluggassamen wie Birken, Löwenzahn) und ggf. Nachsaat.

Unfallverhütungsvorschriften (UVV)

  • Arbeiten auf dem Dach sind gefährlich. Die BG Bau schreibt ab einer Absturzhöhe von 2,00 Metern zwingend Absturzsicherungen vor.
  • Kollektivschutz: Bauzaun/Gerüst am Dachrand (bevorzugt).
  • Individualschutz: Anschlagpunkte (Sekuranten) auf dem Dach, an denen sich die Mitarbeiter mit PSAgA (Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz) einklinken müssen.